Was mich wirklich beeindruckt ist, dass Deutschland so viele schöne alte Dörfer hat.
Ich hoffe, dass auch die zukünftigen Generationen Lust haben, diese Geschichte und auch Traditionen weiter zu pflegen. Durch Deutschland mit dem Rad zu reisen ist wirklich ein Genuss, den keins der Länder, Holland, Polen, Tschechien, Italien, Spanien, Portugal hat so viele Rast- Plätze wo man seine Seele baumeln lassen kann. Dazu gibt es meistens eine schöne Aussicht. Auch Toiletten sind immer irgendwo zu finden. Selbst in der tiefsten Pampa steht noch eine Bank. Das ist echt richtig schön. Das habe ich oft woanders vermisst. Einfach mal einen schönen Platz sehen, anhalten, genießen.
Landschaftlich hat Deutschland auch so wahnsinnig viel zu bieten. Es gibt wundervolle Wanderrouten, die einen geschichtlichen oder naturkundlichen Schwerpunkt haben und in Bayern gibt es auch echt schöne Möglichkeiten zu klettern. Außerhalb der Saison lohnt es sich mit Auto und Zelt oder mit dem Van für ein kurzes Wochenende auf einen Campingplatz zu fahren. Es ist garnicht so teuer. Ich bin ja nun nach 6 Wochen am 3.04.2023 wieder aus Krefeld gestartet und bewusst den Rhein, den Main, de Tauber, die Donau, den Inn und den Salzach hinuntergefahren. Es war sehr schön und abwechslungsreich. Ich bin sooft zwischen Österreich und Deutschland gewechselt, dass ich zwischendurch garnicht mehr wusste wo ich war. Leider hatte ich bis auf 3 Tage die ganze Zeit Regen+Temperaturen zwischen -2bis 15 Grad und mit Blick auf den Wetterbericht habe ich mich nun wiedermal entschlossen, den Zug über die Alpen zu nehme. Dann lande ich in Verona. Natürlich bei Regen, aber immerhin mit 20 Grad. Das ist schon ein riesen Fortschritt.
Heute ist mein letzter Tag in Deutschland und
Ich freue mich wenn ihr mich weiterbegleitet auf meiner Reise. Mal schauen welche Erlebnisse auf mich warten und ihr wisst ja hoffentlich auch, dass eine Nachricht von Euch, an mich, immer große Freude bei mir auslöst.
Umarmung Sonja
PS:Nur um jegliche Missverständnisse auszuräumen, alles was ich hier schreibe entspringt meiner individuellen, von Erziehung und Erfahrungen geprägten Wahrnehmung. Ich schere nicht alle/s über einen Kamm auch wenn es sich zwischendurch so anhört. Ich sehe die Unterschiede, wie auch die Gemeinsamkeiten aus meiner persönlichen Perspektiv.
Ein Resüme der Vergangenen Monate und der Neustart meiner Radreise
24.04.2023
Hallo ihr Lieben,
Hier kommt meine laaange Erklärung.( Ich hoffe ihr haltet durch!)
Mein Aufenthalt wegen der Steuererklärung zog sich in die Länge da Elster noch nicht alles Online bereitgestellt hatte. Was macht man also ohne Zuhause in Deutschland. Meine Familie, meine Tante, stellte mir für diese Zeit ein Zimmer und ihre Gastfreundschaft zur Verfügung. Ich hatte also einen festen Platz. Trotzdem fühlte ich mich als Besucher. War ich ja auch.
Ich fragte mich, wie sich Menschen ohne Zuhause fühlen. Wie wichtig dieser Kampf um den eigenen Raum sein kann, wenn man auf der Straße lebt und seinen festen Schlafplatz hat. Es ist ein öffentlicher Schlafplatz, es ist nicht deiner. Du wirst Angst haben, dass dich jemand verscheucht oder ein anderer Stärkerer ihn dir wegnimmt. Und je öfter du diesen Schlafplatz benutzt, desto mehr wird er zu deinem und desto größer wird die Angst ihn zu verlieren.
Einen Ort zu haben der einem gehört, bedeutet Sicherheit. Eine base. Von dort aus kannst du alles Weitere organisieren oder auch nicht. Es kommt auch darauf an, wie die Vergangenheit auf dein Jetziges Ich einwirkt. Ich glaube, auch mit Hinblick auf meine Erlebnisse mit den Plantagenarbeitern in Spanien, sollte jeder Mensch eine Raum haben. Platz ist genug da ohne neue Häuser zubauen.
Da fällt mir in Barcelona die Auststellung, „Zurückeroberung des öffentlichen Raums“ ein. Eine Parallelaustellung gab es dazu in Köln vor zich Jahren, die ich mit einem Freund damals besucht habe. Vielleicht hat jemand von Euch sie auch gesehen?
Ich habe nun das große Glück, Menschen zu haben die mich aufnehmen, für einen gewissen Zeitraum. Trotzdem hatte das Warten, bevor ich wieder aufbrach, einen großen Einfluss auf mich. Ich befand mich in so einer Art geistigen Erstarrung die sich langsam mit meinem Aufbruch löste. Leider ging’s mir in den ersten zwei Wochen der Radreise nicht gut, da die Temperaturen zu kalt waren und ich eine Allergie gegen meinen neuen Schlafsack hatte.
Ich möchte mich also hiermit dafür Entschuldigen, dass ich euch so lange warten ließ und hoffe ihr vergebt mir? So nun gehts aber los:
Resümee der vergangenen Monate
Warum lieben die Deutschen Spanien?
Ist es das schöne Wetter?
Ganz sicher.
Sind es die schönen Küsten?
Teilweise.
Je nach Bedürfnis findet man natürliche Küsten, Küsten für Wohnmobilisten, Küsten mit Strand und Küstenstriche wo das Nachtleben viel zu bieten hat. Die Preise sind erschwinglich oder dem Klientel angepasst. Für den aktiven Tourist mit vielen Möglichkeiten. Wandern, Rad fahren oder doch lieber auf der Atlantikseite Wellen reiten und surfen bzw. kiten. Es ist für jeden etwas dabei.
Aber warum gerade Spanien?
Es könnte ja auch Italien oder Frankreich sein?
Auf dieser Reise habe ich festgestellt, dass Spanien eigentlich genau das bietet was der Deutsche von zu Hause kennt. Die Mentalität ist nicht fremd. Das was uns unterscheidet ist vielleicht das die Mahlzeiten zu anderen Zeiten eingenommen werden, aber das es dazu immer Alkohol gibt, ist bei uns ja auch bekannt. Der Spanier konsumiert gerne. Ich würde sogar sagen, in Spanien sitzt das Geld deutlich lockerer. Wie sonst können sich die riesigen Einkaufsmeilen vor jeder größeren Stadt halten?
Dazu sind die Innenstädte, der touristisch, interessanten Städte immer sehr gut besucht.
Autos, Rennräder und alles was mit Geschwindigkeit zu tun hat wird hier sehr geschätzt. Fussball, dazu muss ich ja nun nix sagen, ist wie bei uns das absolute Sonntags - Muss. Sport am Wochenende ist eh total angesagt, besonders bei den Eltern. In jedem kleinen Dorf finden Sonntags Wettkämpfe jeglicher Art von 5 -90+ Jährigen statt.
In Bezug auf meine Reise wird auch in Spanien gerne mal Geld genommen wo es eigentlich nicht nötig wäre. Bestes Beispiel: WLAN auf den Campingplätzen. Wie bei uns.
Da lobe ich mir die niederländische Großzügigkeit.
Bezüglich des Mülls, der angeblich in Spanien so weit verbreitet ist… ja stimmt, in gewissen Gebieten ist es wirklich extrem viel. Dafür ist Nordspanien eines der saubersten Gebiete die ich befahren habe und an der Atlantikküste ist es auch sauber. Ich erinnere mich als Kind in Italien und Kroatien in den verlassenen Buchten, Berge von Plastikmüll gesehen zu haben. Hier ist es außerhalb der Saison, wenn keiner irgendwas sauber macht, in jeder Bucht sauber.
Ich hab nix gesehen. Ich denke durch den Wind sammelt sich viel Müll an bestimmten Stellen.
Vor allem am Mittelmeer fegt der Wind durch die flache Küstenlandschaft.
Manche Flüsse oder Kanäle sind mit Plastik gefüllt die durch Abfangbänder aufgefangen und entsorgt werden…und dort wo viele Plantagen sind, da gibts auch nochmal enorm viel Plastikmüll. Die Orangenplantagen werden mit Plastik vor der Sonne geschützt und die Sonne lässt das Zeug auf Dauer brüchig werden wodurch es wieder erneuert werden muss. Wohin aber mit dem Restmüll? Einfach liegen lassen. Viele Plantagenbesitzer lassen auch ihre Mitarbeiter vom afrikanischen Kontinent lieber im Müll und kleinen Holzbaraken leben, als für Müllcontainer oder eine angemessene Unterkunft Geld auszugeben. Dazu meine Empfehlung, kauft keine Orangen aus Spanien. Kauft saisonales Obst. Spanien ist schon eine Halbwüste weil der Boden unfruchtbar ist. Und wir sind mit Schuld. Wir kaufen. Wenn uns schon die Natur gleichgültig, ist dann sollten uns wenigstens die Menschen, die dort für europäische Verhältnisse absolut menschenunwürdig leben, berühren. Also kauft keine Orangen und Mandarinen. Oder kauft nicht so oft, so viele. Oder fahrt mal mit dem Auto die Plantagenlandschaft um Valencia herum ab. Manches muss man wohl selber sehen.
Vielleicht sollten wir Deutschen offenen Auges durch unsere Wälder und Wiesen gehen.
Ich kann nur sagen, Krefeld Naturschutzgebiet Hülser Bruch, ist eine sehr beliebte Gegend um seinen Müll oder Schutt in riesigen Mengen abzuladen.
Auch das die Spanier ihre Hunde quälen ist genauso in jedem anderen Land anzutreffen.
Ich habe viele Spanier gesehen die Hunde aufgenommen und gepflegt haben. Hunde sind in Spanien genauso beliebt wie in Deutschland.
Sie sind nicht nur Kuscheltiere sondern auch in vielen Gegenden Nutztiere, aber das ist auch in Deutschland der Fall.
In den Großstädten habe ich wenige Hunde gesehen das ist bei uns anders und das soll dann keine Tierquälerei sein?
Auch bezüglich der Handwerkerpünktlichkeit ist es nicht anders wie bei uns, nur das die Arbeitszeiten anders sind. Wenn du in Spanien den Handwerker um 13 Uhr bestellst, kommt der erst um 16 Uhr, nach der Siesta. Dafür bleibt er bis 20 Uhr während du schon längst Abendessen möchtest. Das ist eher ein kulturelles Missverständnis als Absicht.
Manch Spanier beginnt mit seiner Arbeitszeitweit vor 8 Uhr. Die Müllabfuhr zum Beispiel hat mich des Öfteren um 3 Uhr nachts geweckt. Und damit nochmal zum Thema Müll zurück. Das Container Prinzip finde ich super in Spanien. In Jeder Straße stehen Container für Plastik, Restmüll, Papier. Und Flaschen. Das Tolle daran ist , Jeder darf seinen Müll reinwerfen! Da kann man dem Nachbar nicht die Mülltonne klauen, da muss nix abgeschlossen werden und die olle Tante von nebenan regt sich auch nicht auf, weil du deinen Müll in ihre leere Tonne stopfst. Die Container sind für alle da. Das bedeutet auch, dass Ratten und Co. sich nur dort aufhalten und im Sommer nicht jeder Hauseingang oder Keller wie bei uns nach Verwesung riecht. Und das Wichtigste, keiner muss in ein Naturschutzgebiet fahren um seinen Müll loszuwerden.
Also von der spanischen Müllentsorgung können wir noch viel lernen. Was natürlich das eigentliche Problem der Müllproduktion nicht behebt, aber das ist ein anderes Thema.
Weiterhin gibt es auch andere Parallelen die mir aufgefallen sind. Im Gegensatz zu uns Deutschen haben die Spanier zu spät angefangen ihre alten Kulturdenkmäler zu schützen oder darin zu investieren. Dadurch ist die Mittelmeerküste außer ein paar wenigen Ausnahmen in der Menge eher modern und lieblos gestaltet. Natürlich wird das touristische Auge davon abgelenkt aber als Radler sieht man es halt doch. Der Häuserbau ist wie in Deutschland mit einer ansprechenden Fassade gestaltet, manchmal auch sehr übertrieben, aber der Rest, die Rückseite und Hinterhöfe haben keinen Charme. Dahingegen sind die Italiener, selbst wenn das Geld nicht mehr für guten Fassadenstuck reicht, sehr kreativ im bemalen ihrer Häuser. Mit Farbe und Blumen bringen sie ein ganzes Haus zum Strahlen . Selbst die Hinterhöfe von noch so armen Leuten sind irgendwie immer liebevoll und einladend gestaltet. Was sagt das wohl über die Menschen aus, habe ich mich oft gefragt. Was sagt das wohl über Deutsche und Spanier aus? Klar wir sind alle Individualisten aber trotzdem beschreibt es auch den roten Faden der sich durch ein Land zieht. Und solche Dinge fallen auf wenn man unterwegs ist.
Wer Schönes sieht, wird Schönes schaffen,
wer Geschichte liebt, wird sie erhalten,
wer sich immer als zu wenig fühlt, muss das Wenige füllen.
Van Life oder Radreise?
…Und Erlebnisse in Portugal.
Wie die Zeit vergeht..und schon ist es März.
Nun bin ich schon eine Weile daheim,
überhole mein Fahrrad und habe mich an die Steuerklärung gewagt.
Ende März geht es wieder los und ich freue mich!! Die Reise mit dem Fahrrad ist noch nicht zu Ende.
Es wird den Rhein entlang Richtung Österreich gehen, dann nach Italien, und dann Richtung Griechenland. Aber es kann sich natürlich immer wieder etwas Neues entwickeln.
Nadine, für die ich die Van-Überführung machte, hat sich sichtlich darüber gefreut
ihren Van noch vor ihrem Abflug nach Thailand in Empfang nehmen zu können.
Hätte ich mir, wie geplant und auch abgesprochen,
Zeit für Portugal genommen, wäre das wohl nicht passiert.
Aber obwohl ihr schöner Van sehr bequem war und es wirklich viel Spaß machte ihn zu fahren wurde mir doch nochmal bewusst, warum ich mich für eine Radreise entschieden habe.
Es ist einfach viel einfacher,
viel langsamer,
viel selbstbestimmter und anstrengender..und ich liebe es❤️.
Obwohl ich in der Woche in Portugal wunderschöne Plätze an der Algarve entdeckte,
wollte ich mir die Erkundung dieses wunderschönen Landes für meine zukünftigen Urlaube aus Deutschland heraus, aufheben.
Portugal hat mich in dieser kurzen Zeit schon tief beeindruckt.
Ich will mal behaupten, dass die Portugiesen es irgendwie geschafft haben,
ihren Spirit nicht zu verkaufen.
Ich weiß nicht wie ich es anders ausdrücken soll und hoffe, ihr wisst was ich damit meine.
Ich hatte neben wirklich sehr naturverbundenen kleinen Stellplätzen direkt am Meer die nur bis maximal 5m lange leichte Vans geeignet sind auch noch ein paar wunderschöne Tage bei meiner Freundin Tanja die mit ihrem Womo auf der Horse-Shoe-Ranch stand.
Der Eigentümer Stephan hat mich herzlich und großzügig aufgenommen und ich konnte einen Einblick in den Alltag einer Pferderanch erhalten.
Übrigens ist die Pferderanch ein schöner Urlaubsort für Pferdeliebhaber. (Auf “ Pferderanch “ drücken und du wirst weitergeleitet.)
Der Standort ist im Inland von Portimao unweit des Meeres.
Die Landschaft ist ein Traum, grüne Hügel, weites Land, saftige Wiesen, kleine Bäche, Mandelbäume…alles wunderschön.
Und wenn du dann auf dem Rücken eines Tieres sitzt, das sich so kraftvoll bewegt und auf jeden deiner Gewichtsverlagerungen sofort reagiert, hast du wirklich das Gefühl das du ein Teil von etwas sehr viel Größerem bist.
Es fühlt sich ein bisschen wie eine Verschmelzung an.
Natürlich bin ich wie fast alle kleinen Mädchen früher mal geritten. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass es nicht richtig ist so wie man es mir beibrachte. Ich hatte immer sehr viel Respekt vor diesen Großen starken Tieren und irgendwie kam es mir falsch vor, ihnen eine Stange ins Maul zu stecken und beim Reiten daran zu zerren oder mit den Schenkel fest gegen das Tier zu treten oder, noch schlimmer, die Gerte zu benutzen wenn das Tier nicht machte was ich wollte.
Ich fand’s furchtbar!!
Ich habs auch schnell wieder dran gegeben weil ich mich beim Reiten einfach nicht durchsetzen konnte oder eher gesagt wollte.
Pferde und Hunde sind die Tiere vor denen ich wirklich Respekt und manchmal Furcht habe.
Und dann lande ich auf dieser Ranch.
Sieben Hunde und noch viel mehr Pferde.
Aber ich mache diese Reise anscheinend auch als eine Art Reset, diesen Eindruck habe ich manchmal. Um alte Erfahrungen durch neue, schönere Erfahrungen zu ersetzen.
Und diese Pferde die mir dort begegneten, werden, soweit ich das beurteilen kann,
Artgerecht gehalten, sanft trainiert und behalten ihre Sensibilität und Eigenarten.
Ich habe mich ganz darauf eingelassen was Stephan und Tanja zu mir sagten, und war fasziniert wie das Tier auf meine kaum merklichen Anweisungen reagierte.
Der Trick war,
las dort los wo du das Tier hinhaben möchtest.
Ich glaube da steckt so eine richtige Lebensweisheit hinter.
Möchtest du nach rechts gehen, lass die ohnehin schon lockeren Zügel auf der rechten Seite noch lockerer.
Sollte es nicht nach rechts gehen wird es seine Gründe haben, ein dicker Stein, ein Tier oder etwas anderes.
Natürlich ist es nicht immer so aber dann muss man halt mal etwas Überredungskunst anwenden. Für mich war es auf jeden Fall ein tolles Erlebnis.
In den drei Tagen, die ich dort war, wollte ich natürlich als Dankeschön für die Gastfreundschaft etwas arbeiten aber dazu kam ich kaum. Es gab einen Notfall und wir mussten einen Hund zum Arzt bringen somit war der Tag schnell vorüber.
Das Einzige was ich tat war, das Horse Shoe Ranch Schild neu zu lackieren.
Gesellschaft hatte ich dabei von Nala einer hübschen, großen Hündin.
Sie lief oder lag immer irgendwie in meiner Nähe, während der Rest des Rudels irgendwoanders rumturnte. Ich habe sie weder viel gestreichelt noch gefüttert aber irgendwie hatte sie mich wohl ins Herz geschlossen.
Sie passte auf jeden Fall gut auf mich auf und signalisierte mir wenn irgendein Mensch in meine Nähe kam. Fühlte sich gut an. Doch für eine Fahrradreise war sie leider zu groß.
Soviel zu furchteinflössenden Tieren.
Einen großen Danke hiermit nochmal an Tanja und Stephan.
Als ich von Portimao losfuhr gingen gleichzeitig die Temperaturen in Portugal auf 0Grad zu. Ich machte mich also auf dem Heimweg mit kleinen Stopps in Lissabon und Porto. Ich übernachtete auf kleinen Plätzen die ich über die
Park4 Night App fand.
Es waren immer sehr schöne Plätze.
Ich fuhr also irgendwann durch Nordspanien, dort kann ich euch übrigens den Ort Toro empfehlen. Auch ein Jakobsweg führt dort entlang.
Fuhr weiter durch Frankreich und Belgien bis ich schließlich meine erste Nacht in der Heimat, im Birgeler Urwald verbrachte.
Das Gefühl Morgens von den heimischen Vögeln geweckt zu werden war unbeschreiblich. Nirgends klingen die Vögel so wie zu Hause.
Nirgendwo habe ich diese unglaubliche Vielfalt an Vogelgesang gehört.
Ich lag bestimmt eine halbe Stunde im offenen Van und hörte einfach nur zu. Was für ein tolles Willkommensgeschenk!
Wenn man kein Zuhause mehr hat nach so einer Reise holt einen der Alltag nicht ganz so schnell ein.
Ich fühle mich immer auf dem Sprung auch wenn die Gastfreundschaft meiner Freunde und zur Zeit meiner Tante nicht versiegt.
Dadurch das bestimmte Teile fürs Rad ungeahnt viel längere Lieferungszeiten haben und Elster noch nicht auf 2022 aktualisiert hat, zieht sich alles in die Länge.
Ich schaue mich parallel nach Wohnungen für meinen Job um und denke mir was kommt das kommt, aber je länger ich bleibe desto tiefer wird das Gefühl wieder loszuziehen.
Noch ist diese Reise nicht zu Ende…und ich freue mich wenn ihr mich weiterbegleitet…in den Osten Europas.
Ich hoffe ihr freut Euch, genauso wie ich mich, auf Teil II der Reise.
Spätestens in der letzten März Woche gehts wieder los und bis zum nächsten Eintrag wünsche ich Allen eine gute Zeit, fühlt Euch umarmt, Sonja
PS: Falls jemand von Euch zwei Karten für die Vermeer- Ausstellung Ende März in Amsterdam loswerden möchte..ich würde dort noch gerne mit meinem Vater hin bevor es weitergeht. Ich freue mich auf ein Angebot.
Mein Begleiter für 4 Wochen
Eigentlich sollte mein nächstes Ziel Südamerika sein. Die Flüge von Teneriffa aus sind sehr günstig aber dann viel mir ein, dass ich noch eine letzte Steuerklärung machen musste. Was wäre wenn mir in Südamerika das Konto gesperrt würde, nur weil ich meiner Pflicht als Steuerzahler nicht nachgekommen bin? Und genau in diesem Moment bekomme ich eine Whastapp von einer netten jungen Frau die ich auf meiner Fährfahrt nach Teneriffa kennengelernt habe.
„Wolltest du nicht nach Portugal?(Mein alter Plan) Hast du nicht Lust mit meinem Van zu fahren? Ich will im März nach Asien und brauche noch paar Sachen daraus. Kannst Dir gerne Zeit lassen und Portugal genießen.“
Was für ein wahnsinns Angebot, wäre da nicht die große Lust sich wieder aufs Rad zu schwingen und einfach loszufahren! Aber ein kurzer Blick auf die Temperaturen in Portugal und schon stand mein Entschluss fest mit folgender Argumentation.
- Nichts passiert zufällig
- Ich kann mich langsam an die Kälte gewöhnen, bevor ich von Österreich mit dem Rad weiterfahre.
- Ich kann mein Equipment erneuern. Das Zelt hat sehr unter dem starken Wind in ElMedano gelitten. Mein Rad braucht neue Reifen, mein Narbendynamo scheint defekt zu sein, wahrscheinlich vom Salzwasser. Mein Lenker braucht eine Erhöhung. Und noch so ein paar andere Sachen.
- Ich kann in Ruhe meine Steuererklärung von unterwegs oder zu Hause machen.
- Ich lerne Vanlife kennen, ein neues Abenteuer.
- Ich treffe eine Freundin (siehe meine Bekanntschaften in Spanien), die zufällig gerade in Portugal mit ihrem Van steht.
Die Argumente dagegen lasse ich mal weg und beziehe mich auf Punkt Nummer 1!
So ihr Lieben,
ich bin gespannt, was so alles passiert und wer mir über den Weg läuft oder fährt.
Ich bin gespannt wie ich meine Schlafplätze, das Waschen und tanken organisiere und ob die frühere Spontanität noch so umsetzbar ist.
Ich bin gespannt ob ich es schaffe mir, trotz des schnelleren Reisens, das Gefühl von Langsamkeit und Genuss zu bewahren.
Und vielleicht hat ja der/ die Ein/e oder Andere von Euch Tipps für mich?
Das wäre toll!!
Kuss Sonja
Überwintern auf den Kanarischen Inseln
Wie alles begann…
Eigentlich bestand der Plan darin meine Söhne auf Teneriffa zu treffen da ich dort überwintern wollte.
Doch durch ein kleines Missgeschick musste ich die Fähre schon auf Gran Canaria verlassen. Letzten Endes war das eine gute Entscheidung weil diese Insel wirklich schön ist und ich dort bei Barbora auf der Finca Suerte im Norden Gran Canarias (welche neben Übernachtungen in festen Zelten, Wohnmobil oder Jeep auch Plätze fürs Zelt anbieten) einen schönen Platz fand, mit interessanten, netten Leuten. Ich lernte Horst kennen, einen Lebenskünstler, Easy eine junge Backpackerin die mir zeigte wie man Kakteenfrüchte schält und die ich später zufällig an einem anderen wunderbaren Ort im Inneren der Insel traf. An dem Tag als ich von Finca Suerte im Norden aufbrach, lernte ich noch ein frisch eingetroffenes, junges Paar kennen, deren großer Traum es war, mit einem Segelboot nach Südamerika zu fahren. Sie hielten sich schon seit ein paar Wochen auf der Insel auf, klapperten den Hafen ab und ruderten mit einem kleinen geliehenen Boot an die großen Schiffe um dort anzuheuern. Justus bewies große Ausdauer und ich glaube, dass die beiden sich abwechselnd über eine gewisse Hoffnungslosigkeit hinweghalfen, die sich ja immer gerne breit macht wenn die Reise vorher wie am Schnürrchen lief und dann plötzlich nix mehr läuft. Bei unserer Verabschiedung stellte sich heraus das Justus aus Krefeld kam. Für mich ein Stück Heimat im warmen Süden, und ich war auch irgendwie stolz darauf, dass dieser coole Typ aus Krefeld kam.
Für mich ging es dann vom Norden der Insel ins Inselherz. Ich war dort auf dem höchsten Berg, habe die steilsten Steigungen geschoben und wunderbare Aussichten im Landesinneren gehabt. Ich musste ohne Erlaubnis campen da die Cabildo, der Rat von Gran Canaria, eine etwas komplizierte, nicht funktionierende Website hatte. Das Campen war unglaublich schön weil ich fast alleine in duftenden Kiefernwäldern stand. Danach hatte ich eine megaschöne Abfahrt in den Süden der Insel. Maspalomas ist das, was sie als südlicher Hotspot verspricht. Touristisch. Ich machte mich auf in den Osten und fand am Flughafen auch noch einen eigentlich schönen günstigen Campingplatz. Leider kann ich Diesen, Menschen mit empfindlichen Nasen, nicht empfehlen. Die Sanitären Einrichtungen stinken extrem und sind sehr dunkel. Dann ging es wieder in den Norden. Als ich das zweite Mal bei Barbora auf Finca la Suerte eintraf machte ich Bekanntschaft mit Dennis einem Lehrer, LKW Fahrer, Surflehrer und Langzeit- Urlauber kennen. Er war auf der Suche nach einer Mietwohnung und trieb sich am Strand und in Bars rum um direkten Kontakt zu den Einheimischen zu bekommen. Durch seine Aufenthalte in Südamerika konnte er fließend Spanisch kam jedoch, wie er erklärte, hier auf Gran Canaria an seine Grenzen, da der Dialekt wohl sehr ausgeprägt war. Also wundert euch nicht wenn ihr hier kein Spanisch versteht. Wen es interessiert… die Insel hatte im November in den Bergen eine Nachttemperatur von 5 Grad und im Süden 25 Grad. Es gab Regen, Tropenfeuchte und brennende Sonne. Aber am Besten gefiel mir, dass es immer noch irgendwo einen ruhigen Ort gab. Als ich nach 10 Tagen nach Teneriffa wechselte, war meine Erwartung bezüglich der Steigungen hoffnungsvoll. Ich dachte größere Insel, dann sind die Steigungen moderat, aber ich wurde eines besseren belehrt. Zum Glück kamen meine Jungs wenige Tage später, somit war das Thema radeln für drei Wochen passè. Mit den Jungs quartierte ich mich erstmal für eine Woche im Touriort Playa de las Americas ein. Ein Tag Trubelgewöhnung und dann fand jeder von uns so seine Beschäftigung. Surfen war angesagt und auch wandern. Die Suche nach einem, schönen entspannten Strand zum Schnorcheln blieb leider unerfüllt. Das Meer war unruhig und man konnte einfach nichts Unterwasser sehen. Auch die großen Strände entpuppten sich an der Anzahl ihrer Besucher als zu klein für uns. Das Essen war relativ günstig und gut und nachts war natürlich immer was los. Nach einer Woche wechselten wir dann ins Wohnmobil. Das Wohnmobil bekamen wir von Anne und Martin, die übrigens so richtig nett sind ( Tippe auf > Holidayscampervans), es hieß Kaktus und war ein zuverlässiger Begleiter für 9 Nächte. Ich fand das eine gute Idee da ich ja von Gran Canaria die freien einsamen Stellplätze in den Bergen kannte und es mir auf Teneriffa ähnlich vorstellte. Aber Teneriffa ist nun einmal viel belebter. Und mit einem alten T4 Bulli mindestens 10% < Steigungen zu fahren ist wirklich eine Herausforderung an die Nerven. Der Bus schaffte das ohne Probleme aber einer von uns klammerte sich immer fest an den Sitz. Leider war auch das Dachbett viel zu eng und erinnerte eher an einen Sarg, sodass eigentlich die Nächte auch ziemlich anstrengend waren. Kurzerhand entschieden wir dann nach vier Tagen, ein Apartment als Base zu mieten zusammen mit John ( siehe YouTube MINIEGO ). Nachdem die Base eingerichtet war, leider am A. von Teneriffa..weit weg vom Flughafen der irgendwann ja erreicht werden musste, startete ich mit einem meiner Söhne einen letzten Versuch von Vanlife . Wir suchten einen Surfspot für Anfänger. Die ganzen angepriesenen Surfstrände versprachen nur leider nicht das was sie sein sollten. Super Strände mit vielen geöffneten Surfschulen. Natürlich ist auf Teneriffa gerade keine Hochsaison und die Einheimischen legen darum in dieser Zeit sehr viel wert auf ihre Wellen. Wir bekamen von einigen erfahrenen Surfern Geschichten vom Kampf um die Welle erzählt und manche davon endete als Prügelei am Strand. Auch mein Sohn musste sich am Anfänger- Surfstrand anschnauzen lassen. Unser Tip als Neulinge im Vanlife und Surfen: Die schönsten freien Womo- Stellplätze gibt es im Süden und in den Bergen. In den Bergen meldet man sich per Handy bei der Cabildo an aber Vorsicht in den Bergen selber gibt es keine Internetverbindung, das heisst, Screenshot von der Anmeldung machen. Die zuverlässigsten Wellen für Anfänger gibt es am Strand von los Christianos bis Costa Adeje. Bezüglich Wärme und Ruhe ist für mich alles im Süden um El Medano herum sehr schön. Je nach Wetter kannst du dort Schnorcheln, Surfen, Kiten, baden. Es ist klein und ruhig. Landschaftlich zwar nicht so schön, aber wenn du Richtung Meer schaust gehts. Landschaftlich ist der Norden Teneriffas toll aber etwas kühler und da das Meer dort sehr wild ist, gibt es Naturbäder die in den Felsen gehauen und vom Meer gespeist werden. Für Surfprofis mit Familie die sich auch gegen Einheimische durchsetzen können, kann ich Bayamar empfehlen. Das ist ein wunderschöner Ort wo auch für Kinder ein Meerbecken zu finden ist. Ansonsten findet man im Norden und Westen selten Strände und viel Steilküste und zum Radfahren eignet sich diese Insel nur wenn man mal im Süden ins Nachbarstädtchen will. Alles andere fährt man am Besten mit dem Bus. Die Busverbindungen sind übrigens ausgezeichnet. Man kann sich ein Ticket Ten+ kaufen oder über eine Handyapp fahren. Das lohnt sich definitiv. Die Flughafenbusse können auch Größeres transportieren. Ich werde noch ausprobieren ob sie mein Rad mitnehmen, wenn ich wieder aufs Festland wechsel. Insgesamt haut mich Teneriffa nicht unbedingt um. Hier macht man Urlaub wenn man Surfen, shoppen, saufen, essen oder Feiern möchte. Oder alles zusammen. Teneriffa ist stark bebaut und auf Konsum ausgerichtet. Die Preise sind normal für Deutsche Verhältnisse. Ich habe mir sagen lassen, das El Hierro ein guter Tip ist für all die die Ruhe suchen und das Lanzerote noch wunderschöne alte Dörfer hat also fürs Auge eine traumhafte Insel sein soll. Aber wie gesagt, das habe ich nur gehört.
Ich bleibe jetzt erstmal auf Teneriffa bis Ende Januart da ich noch Besuch von einer Freundin erwarte und die Flüge nach Teneriffa vom Preisleistungsverhältnis nicht zu toppen sind. Danach geht es wieder aufs Festland.
Wenn ihr Fragen zu Teneriffa und Gran Canaria habt, meldet Euch gerne. Ihr wisst ja wie sehr ich mich über Post von Euch freue.
Fühlt Euch umarmt und gedrückt …und noch was ganz Wichtiges…
Ich wünsche Euch einen guten Übergang ins neue Jahr!
Und
ich wünsche euch Allen, liebende Menschen an eurer Seite und viele schöne Momente im neuen Jahr 2023.
Kuss Sonja
La Siesta de la Gaviota, Chipiona Spanien.
Heute wollte ich eine lange Strecke fahren, aber irgendwie kam immer wieder etwas dazwischen, was mich nicht so richtig voran kommen ließ. Ich fuhr durch eine Schlammpfütze, was an sich nichts besonderes wäre, hätte dieser Schlamm nicht die Konsistenz von einem Megakleber gehabt. Je länger ich fuhr, desto mehr Steine hafteten am Rad bis sich irgendwann nichts mehr drehte. Also musste ich die Reifen, das Schutzblech und die Bremsen befreien. Zum Glück hatte ich meine kleine schwere Kack-Schaufel doch noch nicht ausrangiert, denn mit dem harten Metall ließ sich alles gut abhebeln. Holzäste hätten da kläglich versagt. Nachdem das erledigt war, und ich eine ziemlich lange Zeit dem Weg vom Komoot-Navi gefolgt war, bzw. er wollte mich wiedermal einen riesen Umweg lenken, natürlich bergauf, worauf ich, schlau wie ich bin, einfach den Weg geradeaus weitergefahren bin. Das war auch ein wirklich schöner Weg, der dann an einem kleinen, tiefen Fluss endete. Den ganzen Weg wieder zurück, durch den Schlamm, Außenrum, wie der Navi es zeigte, dazu hatte ich wirklich gar keine Lust. Also habe ich dann alle fünf Taschen, die Schlafsackrolle und die Isomatte plus Fahrrad über den schmalen Tunnel, der das Wasser unter der Straße durchleitet, balanciert. Das hat alles viel Zeit gekostet. Da ich die Erfahrung in den vergangenen Tagen machen musste, dass es in Südspanien keine offenen Campingplätze gibt, wollte ich es dann doch genau wissen. Wo kann ich als Fahrradreisende schlafen? Legal? In Naturparks campen ist toll, aber offiziell nicht erlaubt. Die Spanier nehmen das alles nicht so ernst hörte ich immer wieder. Mir ist es ziemlich egal wie die Spanier oder irgendwer das sieht, ich finde wir drängen die Natur eh schon soweit zurück, da muss man nicht noch die offiziell, geschützten Bereiche einnehmen. Also bin ich dann zum Touristeninformationszentrum der Ortschaft gefahren und habe nachgefragt. Die Dame war sehr hilfsbereit, telefonierte mit diversen Leuten konnte mir am Ende aber auch nicht weiterhelfen. Es gibt keinen Campingpplatz, von einer Genehmigung zum freien Zelten wüßte sie und die ganzen anderen Menschen die sie anrief nix und ich müßte mich dann an die Polizei der nächsten Ortschaft wenden.. Tja, das hat mich dann auch wieder Fahrzeit gekostete und das Ergebnis war gleich Null. Ich bin dann einfach weitergefahren. Auf Verdacht habe ich einen Camper-Parkplatz in der Nähe angesteuert. Irgendwas mit Siesta…klingt doch gut dachte ich. Und dann kam ich da an und am Eingang ein großes Schild, unter anderem mit einem durchgestrichenen Zelt. Na gut dann nicht, aber ich frage wenigstens ob sie vielleicht wissen, wo ich hinkann. Der Platz machte einen netten Eindruck und das Holzhaus der Reception sah sehr schön aus. Die beiden Frauen darin lachten mich an und nachdem ihnen schnell klar war, dass mein Englisch und Spanisch eine Katastrophe ist, wurde ich von der sehr spanisch aussehenden Dame auf deutsch angesprochen. Wie sich herausstellte, war sie Deutsche und der Liebe wegen in Spanien gelandet. Ich wurde sehr herzlich begrüßt und konnte mir einen schönen Platz aussuchen. Da die Campingplatzbesitzer den Radtourismus unterstützen und auch sonst für nachhaltiges und bewusstes Leben sind, kostete mich der Aufenthalt nichts. Im Gegenteil, ich wurde reichlich beschenkt mit Herzenswärme und Aufmerksamkeit. Nachdem ich mir einen schönen Platz gesucht und mein Zelt aufgebaut und eingerichtet hatte, konnte ich mit einem Code für verschiedene Türen bis zum Strand gehen. Eine kleine schöne Bucht nur für die Gäste des Platzes. Ein Traum. ich habe mir den Sonnenuntergang angeschaut, Fotos gemacht, etwas gegessen und bin danach zurück zum Zelt. Da hat mir doch tatsächlich die andere liebe Frau von der Rezeption noch einen roten Stuhl und einen roten Tisch mit Blümchen davor gestellt. Wie wunderschön. Und als es immer dunkler wurde und ich so vor dem Zelt die ganzen Postkarten schrieb, kam noch der Britische Urlauber von Gegenüber und stellte mir ein Sturmlicht auf den Tisch. Wie nett ist das denn? An dieser Stelle kann ich nur die Frau vom Empfang zitieren: Dieser Ort ist so schön durch die tollen und besonderen Menschen die hier hinkommen. Diese beiden Frauen sind auf jeden Fall ein Magnet dafür!
Danke, für dieses großartige Geschenk am Ende eines zähen Tages. Was ich dabei erfahren durfte: Alles hat einen Sinn.
Wäre ich überall zügig durchgekommen, hätte ich diesen Ort wohl nicht gefunden.
Noch mehr Fotos aus Spanien findest du bei Fotos in der Menüleiste.
VIP Zugang Strand
Abendpicknick am Strand
Mein Zelt mit Sitzplatz und Blümchen
hola Espana
BegegnungeN
Oktober 2022
Fährfahrt mit Amy
Auf der Fähre nach Barcelona buchte ich ein Bett in einer 4- Bett-FrauenKabine und hatte das große Glück diese mit Amy zu teilen. Amy kam aus den Niederlande und war ähnlich wie ich, mit dem Rad schon eine ganze Weile unterwegs. Sie wollte von Barcelona nach Bilbao und von dort auf den Jakobsweg, um ihre Eltern zu überraschen, die dort zu Fuß unterwegs waren. Ich fand bei unserem Zusammentreffen unheimlich interessant wie unterschiedlich jede von uns ihre Radreise plante bzw.organisierte. Amy ist vor Allem in Hostels und durch Warmshowers in Gastfamilien unterwegs.Während ich am Liebsten in meinem Zelt schlafe. Manchmal hält sie sich in den Familien auch etwas länger auf, und so wie ich es verstanden habe, findet sie auf ihrer Reise auch hin und wieder Möglichkeiten zu arbeiten. Sie war schon in vielen Ländern ohne Fahrrad unterwegs und kennt sich aus in der Welt würde ich sagen. Sie wirkt sehr sicher, ruhig und angenehm und sie sagt, sie genießt das Reisen und mag es, sowie viele Langzeitreisende, lieber etwas ruhiger und weniger touristisch. Durch ihr sympathisches Aussehen wird sie sehr oft einfach angequatscht und hatte dadurch schon manch spontanes Erlebnis. Aber sie hätte sich in den ganzen Jahren noch nie gefürchtet. Die Menschen seien grundsätzlich eher nett und hilfsbereit, und das kann ich nur bestätigen.
Sie war eine sehr angenehme Zimmergenossin.
Der Hund und der Brand
Gerade in Spanien angekommen, keinen Plan von der Sprache, den Gewohnheiten und dem Land wiederfuhr mir an einem Tag etwas berührendes und auch sehr peinliches.
Ich rettete einen Hund.
Meine Route von Komoot zeigte mir einen Weg, der laut der spanischen Schilder eigentlich verboten war. Ich fuhr ihn trotzdem. Der Weg ging neben einem sogenannten Bewässerungskanal, der von einem Fluss gespeist wurde und somit eine recht starke Strömung durch die Begradigung hatte. Von Weitem sah ich etwas aus dieser Rinne schauen. Ein Seehund? Hier in Spanien? Das kann doch nicht!!! Ich fuhr dem, was auch immer, entgegen und erkannte einen Hund der im Graben schwamm und versuchte, verzweifelt ans Ufer zugelangen. Aber weder Fluss-auf und -abwärts gab es eine flache Stelle. Ich drehte mit dem Rad um und fuhr dem Hund hinterher, rief und hoffte er würde auf mich reagieren. dazu muss ich sagen, ich habe Angst vor Hunden aber es war auch klar, ich musste ihm helfen. Ich wollte ihn aber nicht einfach packen, weil ich nicht wusste wie er reagieren würde. Ich fuhr etwas vor rief nach ihm und siehe da er schwamm auf mich zu. Ich langte ins Wasser und stellte fest, das die Rinne tiefer war als ich dachte und der Hund viel größer als erwartet. Mit meinem ganzen Körper legte ich mich auf den Boden und zog den Hund mit viel Kraft heraus. Ich war total nass. Er blieb einen Augenblick neben mir sitzen, schüttelte sich und ging dann von mir weg. Ich wartete noch, aber der Hund wand sich weiter ab und wollte seine Ruhe. Ich bin dann auch gefahren. Auf dem weiteren Weg , immer noch über Felder, menschenleer und neben dieser Kilometer langen Bewässerungsrinne kamen mir viele Gedanken und ich habe mich gefragt, wie der Hund in dieses Becken kam. War es ein Versuch ihn zu ertränken? Man hört ja soviel über den Umgang mit den Hunden in Spanien. Oder ist er einfach reingefallen? Plötzlich hatte ich einen seltsamen Geruch in der Nase. Feuer. Ich schaute mich um. Das Feld brannte, eine sehr große Fläche und kein Mensch weit und breit. Es war Megatrocken. So schnell wie ich konnte bin ich zum nächststehendem Haus. Es war alles wie ausgestorben, und hab dort laut gerufen. Es war gegen Mittag, nach einer Weile kam eine Frau in Morgenmantel raus. Ich erklärte ihr, mit Google Translator und si und no die Situation, sie läuft eilig ins Haus, und kommt nach gefühlter halber Stunde komplett angezogen mit Handy in der Hand wieder heraus und rennt mit mir in Richtung Feld,.Dann zögert sie, bleibt plötzlich stehen und erklärt mir mit ganz viel si und no, dass die Bauern absichtlich die Felder abbrennen.
Peinlich!
Da habe ich also die gute Frau in ihrer Siesta gestört, vielleicht sogar die Feuerwehr?!.. Die werden sich am Abend noch ganz schön über mich amüsiert haben.
Der alte Spanier
Nach einem ganz furchtbaren Aufenthalt auf einem Campingplatz, der gefühlt alle Moskitos Spaniens beherbergte, flüchtete ich in der Frühe entgegen meinen neuen Ausschlafgewohnheit. Für mein Frühstück suchte ich mir gegen Mittag ein Plätzchen in einem Park und machte es mir auf einer Parbank bequem, schmierte mir ein Brot und genoss die Ruhe, da die Spanier sich um diese Zeit in den Restaurants trafen, für ein ausgedehntes Menü, und die Straßen und Parks wie ausgestorben waren. Während ich so gemütlich mein Mal genoss, kam ein alter Spanier auf seinem. Rad daher, hielt an und fing an mir mit Händen und Füßen und in Spanisch etwas zu erklären. Mein no entiendo espanol ignorierte er, vielleicht war er auch schwerhörig und er forderte von mir mit seiner Gestik, Antworten. Mit Englisch war da nichts zu machen und er plapperte munter weiter, hin und wieder nach Bestätigung heischend, wobei ich einfach nicht dazu kam mein Brot zu essen. Der Mann war zäh und gab nicht auf und ich ergab mich dem spanischen Wortschwall, ließ mich darauf ein ohne an mein“ ich verstehe nichts“ festzuhalten und siehe da, langsam verstand ich was er von mir wollte. Er erklärte mir, dass die Schwalbe Marathon Reifen eine sehr gute Qualität haben, er hätte auch welche und wäre damit schon 7000km gefahren ohne Platten. Ich hatte auch noch keinen Platten bestätigte ich, aber das Ventil bereite mir Probleme. Er schaute es sich an und nickte und kramte in seiner Plastiktüte. Dann zog er ein Papier raus. Ich wolle doch sicher nach Valencia? Er hätte da einen Stadtplan für mich. Er breitete den Plan aus und zeigte mir verschiedene Sachen und erklärte mir auf spanisch dass ich da unbedingt hinmüsse. Kultur und Kunst..Museum. Er schenkte mir also diesen Stadtplan und wuselte weiter in seiner Tüte. Mit Kopfschütteln und Entschuldigung erklärte er mir er hätte es nicht..( was auch immer??) Und fing dann an, an seinen Rädern die Ventildeckel abzuschrauben und gab sie mir. Ich solle sie unbedingt nehmen er hätte zu Hause noch welche und Nein, auf keinen Fall wollte er etwas dafür. Er wünschte mir eine gute Reise, hielt noch ein paar Mal den Daumen hoch und fuhr Davon!
Was für ein unglaublicher Mann!Was für ein tolles Erlebnis! Wie schön das keine Sprachverständigung nur eine Barriere im Kopf ist, denn wenn man wirklich will kann man sich sehr wohl Eineinhalbstunden gut unterhalten. Ich habe auf jeden Fall wieder etwas dazu gelernt und bin reichlich beschenkt worden.
Valencia, Hotsch & Gerome
In Valenzia gibt es einen günstigen und netten Campingplatz für kurze Aufenthalte. Dort habe ich die Bekanntschaft von Hotz/ Hotsch gemacht. Ihm gefällt die Ecke und das Klima und er lebt auf dem Platz seit einiger Zeit, verdient Tagsüber als Straßenkünstler Geld und genießt seine Freiheit in Strandnähe und mit immer wieder interessanten Menschen, die sich auf dem Zeltplatz einfinden. Hotsch stammt aus einer sehr alten, traditionsreichen, bayerischen Familie, die durch viel Pech sehr viel verloren hat. Er ist und war einmal ein Spitzenkoch der durch einen Unfall nicht mehr so arbeitsfähig ist, dass er eine angemessene Stellung bekommen könnte dank Versicherungsklauseln und Krankenkasse. Er ist einer von vielen Menschen die von unserem System nicht aufgefangen werden, denn die Krankenkenversicherung kann sich schon aussuchen, wen sie versichert und wen nicht. Und es ist auch eine Frage des Stolzes und der Gerechtigkeit, auch wenn diese Begriffe durch Geld und Macht ersetzt werden. Hotsch wirkt im ersten Moment sehr entspannt und etwas gleichgültig aber wenn er seine Geschichte erzählt, bemerkt man den Stolz, die Heimatliebe und das sein Beruf Berufung für ihn ist. Meiner Meinung nach hat er nur den Weg zurück noch nicht gefunden, ohne dabei seine Würde zu verlieren. Schließlich ist er ein Freiherr von…Hier auf dem Campingplatz ist er eine unglaubliche Bereicherung weil er jeden neuen Gast sehr herzlich begrüßt. Er spricht ein paar Sprachen so das sich jeder sofort wohl fühlt. Man kann ihn alles Fragen und er kennt sich in der Gegend aus. Er fragte mich, ob ich schon am Strand war und ich sagte: Ja aber.. nachdem dort soviel nackte und nur Männer rumliefen bin ich geflüchtet. Er bestätigte meine Vermutung, dass der dahinterliegende Strand vor allem von Homosexuellen genutzt wurde. Ich solle mir keine Sorgen machen, die interessieren sich nicht für mich!! Gerome der gerade auf dem Campingplatz angekommen war und wahrscheinlich gerade auf dem Weg zum Strand war, stutzte und verbrachte den restlichen Abend in einem Restaurant. Gerome zum Beispiel war mit dem Motorrad unterwegs und seine Passion ist Ficusbäume zu fotografieren. Meine erster, spontaner Gedanke als er es mir erzählte war, was für ein Spinner. Aber nein, ich muss mich berichtigen.. denn er hat mir Bilder gezeigt und etwas richtig tolles gesagt ( So ungefähr) : "Ich habe mir viele interessante Städte angeschaut und Fotos gemacht von Architektur, Gebäude etc. dann habe ich mich darauf spezialisiert diese natürlichen, Monumente der Zeit, diese unglaublich schönen Bäume zu fotografieren."
Er hat mich überzeugt, ich finde es einfach richtig toll und es ist auch mal etwas anderes. Abends haben wir noch etwas zusammengesessen und am nächsten Morgen sind wir dann in unterschiedliche Richtungen aufgebrochen. Hotsch ging arbeiten und am Abend wird er wahrscheinlich wieder neue Bekanntschaften machen und Menschen auf die eine oder andere Art beeindrucken.
Johannes Grünewald
Ein wirklich faszinierender Mensch der mir noch begegnete ist Johannes. Johannes hat mich am ersten Tag als ich ankam mit Fragen überfallen, da hatte noch nicht ganz mein Fahrrad abgestellt. Er fand das einfach unheimlich gut mit der Radreise. Seit 8 Jahren ist er regelmäßig auf diesem Campingplatz und hat sich immer gewünscht, dass da mal so jemand vorbeikommt wie ich. Johannes ist ein Alleskönner, behaupte ich mal. Er steht dort mit seinem kleinen Wohnmobil, früher ein VW Bus, hat Fahrrad, Kajak, Wanderstöcke und Gitarre dabei. Er ist unglaublich offen für alles neue und so wie ich es verstanden habe, übt er gerade Flamenco auf der Gitarre. Als er früher durch die Gegend zog mit seinem Bus dachte er immer, er kommt auf nen Platz, da sind andere so wie er, man spielt Gitarre, singt, sitzt zusammen, und hat eine schöne Zeit. Leider musste er dann feststellen, dass das wonach er suchte, einfach nicht dort existierte wo er gerade war. Irgendwann hat er sich damit arrangiert und sich einen schönen Platz gesucht, ganz nahe am Meer mit einem schönen, ruhigen Strand. Mit Bergen und Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, die mit dem Rad und zu Fuß gut zu erreichen waren. Nun kehrt er dort seit 8 Jahren für 6 Wochen im Jahr ein. Hier gibt es viele Deutsche Dauercamper oder Quartalsurlauber und man kennt und respektiert sich untereinander. Johannes wird auf jeden Fall sehr geliebt und auch bewundert. Das konnte ich in meinem Zelt zwischen den Campern erlauschen, als Johannes mal unterwegs war um für seine diesjährige Verabschiedung einzukaufen. Bewundert natürlich, weil er körperlich unglaublich fit ist. Ich weiß nicht wie alt er ist, irgendetwas zwischen 75 und 85 Jahren würde ich schätzen aber irgendwie auch völlig alterlos weil er so ein natürlich, bescheidener, neugieriger, offener, bewegungsfreudiger Mensch ist. Johannes kommt aus Freiburg und verkauft auf dem Münstermarkt dort seine Keramik. Wenn also einer von euch Lust auf Radreise um Freiburg, wandern oder sonstige Ausflüge hat, oder Jemanden in Freiburg kennt der auch keine Lust auf Fernseh und Bierchen jeden Abend hat, sprecht ihn an, er freut sich bestimmt. Denn es gibt nicht so Viele die Abenteuergeist haben. Vor allem in dem Alter.
Österreich und Italien
Oder die
Flucht vor der Kälte
Hallo ihr Lieben,
mittlerweile in Spanien, genauer gesagt in Barcelona, möchte ich euch nun von meiner sehr schnell zurückgelegten Route und meinen Beweggründen berichten, da ich sonst weiterhin mit meinen Berichten um Wochen hinterherhängen werde. Also der letzte Stand war, das mein Aufenthalt in Österreich nur von kurzer Dauer war. Genauer gesagt 6 Tage, und das obwohl ich mich sehr darauf gefreut habe, weil ich Berge liebe. Aber ich war nach meiner Tschechienreise kurz davor alles hinzuwerfen und mich in den Zug Richtung Heimat zu setzen. Es lag zum Einem (wie ich ja schon berichtete) daran, dass mich das Wetter richtig runtergezogen hat. Dann hatte ich eine starke Sehnsucht nach den Menschen die ich liebe und außerdem hatte ich das Gefühl körperlich einfach nicht die nötige Kondition für die Berge aufgebaut zu haben. Ich hatte den Eindruck, alles was ich esse wurde sofort verbrannt, löste sich einfach im nichts auf und wenn mein Körper die Mineralien, Kohlenhydrate und Eiweiß zum Muskelaufbau brauchte, war einfach nix da. In Österreich nahm ich eine Einladung von einer Facebook-Freundschaft über die Gruppe „Hand gegen Urlaub auch für Ungeimpfte“ an. Ich verbrachte bei Mirja und ihren beiden sehr netten Kindern zwei Nächte. Es war sehr interessant für uns Alle die wir uns fremd waren. Es ist ein herantasten, einbeziehen, abgrenzen, Bedürfnisse erkennen. Es war ein sehr empathisches Miteinander. Und es hinterlässt ein gewisses Vertrauen in die Menschen denen man so begegnen kann. Bei Mirja hatte ich Zeit weiter zu planen und so entschloss ich mich also, dem Wetter, der Kälte und meinem Heimweh zu entfliehen, nicht mehr meiner mangelnden Kondition hinterher zu trauern und nahm den Zug von Amstetten nach Venedig. Als ich in Venedig aus dem Zug stieg, atmete ich auf, 21.00Uhr und es war warm. Und dann hielt ich die Luft an und bekam erstmal einen Schock. Lärm , Gestank, Menschen in Massen! Meine Zugbekanntschaft Jan, ein sehr netter junger Mann 21 Jahre mit dem Fahrrad unterwegs um in Venedig einen Freund zu treffen um mit ihm durch Italien zu fahren, hatte ein Hostel ganz in der Nähe. Ich natürlich nicht. Ich hatte nur die Hoffnung das vielleicht der Campingplatz weiter draußen noch auf hat. Der Campingplatz war offen, sehr schön und der italienische Empfang unglaublich nett. Bella Italia, hier war ich schonmal richtig! Am nächsten Tag wollte ich dann nach Venedig, ST Luzia, aber da gab es ein Problem. Wie dahinkommen wenn die Straße auf der anderen Seite der Schienen lang geht und es keinen Weg rüber gibt? Gibt es in Venedig keine Behinderten? Wie kommen die denn auf die andere Seite des Bahnhofs/ bzw. der Schienen? Ich habe alle Navis ausprobiert, von rechts nach links, durch Tunnel, Treppen versucht, nix zu machen. Nach 1,5 Std. habe ich aufgegeben und bin dann zum nächsten Campingplatz gefahren, da dort auch Boote zu den Halbinseln fahren sollten. Die Fahrt dahin war…etwas anstrengend. Die Infrastruktur ist so eng da gabs keinen Platz für Fahrradwege und an der Küste möchten ja irgendwie alle entlang fahren. Die Küste ist aber Teilweise Naturschutzgebiet und durch die kleinen Flüsse die nicht immer eine Brücke zum Überqueren haben gibt es dann doch nur einen Weg von A nach B, und somit fahren dann alle auf der gleichen Straße. Wenn man dann so konzentriert Radfahren muss bleibt leider keine Zeit sich die Umgebung anzuschauen und anhalten geht auch nicht das hält den Verkehr auf. Ich habe mir dann auf dem Campingplatz nochmal einen genaueren Plan von der Infrastruktur unter Einbeziehung des Wetters gemacht und mich entschlossen auf die andere Seite zu fahren. Durch Emilia-Romagna. Der Fluss Po/ Taro waren meine Begleiter. Es war eine super Entscheidung! Ich kann diese Tour nur allen empfehlen. Am Anfang eher eine gleichmäßig, kultivierte Landschaft mit kleinen Dörfern und schiefen Kirchtürmen am Fluss, später natürliche ansteigende Hügel und Berge. Kleine Dörfer die je nach Bürgermeister mehr oder weniger für Radtouristen tun. Sehr hilfsbereite und freundliche Menschen bei denen man auch zur Not im Garten schlafen kann.
Ein besonderer Ort ist der BioHof von Elena und Nicola die mich wirklich ganz lieb aufgenommen und versorgt haben. Sie bieten auch Bed and Breakfast an und Elena macht alles selber.
www.lacaprasanta.it
Elena spricht sehr gut Englisch und sie sind auch bei WWOOF Italien zu finden.
Wenn ihr also dort in der Gegend seit, es ist wirklich ganz reizend, dann besucht sie. Ihr könnt handgemachte Produkte kaufen und unterstützt damit sehr die Biobauern.
Da ich ja aus der Vergangenheit lernte mich nicht mehr in Großstädten einzuquartieren, habe ich in Genua einen Campingplatz im Vorort gefunden. Bogliasco hieß der Ort. Und was soll ich sagen , der Campingplatz war oben auf einem Berg und man konnte weit aufs Meer schauen. Es führte eine schmale Treppe/ Weg hinab ins Städtchen und dieses war, wenn man die Hauptstraße einmal passiert hatte, richtig nett. Wunderschöne, Italienische Häuser, kleine Promenade, kleiner Strand, Bänke, nette Restaurants und wenige, kleine Geschäfte mit Dingen fürs tägliche Leben. Ich habe dort einen Bäcker gefunden der sich von mir den Google-translator abgeschaut hat. Dort gabs natürlich leckere Törtchen, also war ich öfter dort und auf einmal konnte die nette Frau dort etwas Deutsch. Und ich Italienisch. Es war richtig schön in Bogliasco und ich bereute meinen schnellen Entschluss, die Fähre für Barcelona gebucht zu haben. Das tat ich, weil ich auf der Wetterkarte wieder fallende Temperaturen und Regen erblickte und irgendwie saß der Schock aus Tschechien doch noch tief. Ich hätte bis Marseilles fahren sollen, ich weiß, aber es war zu spät. Fähre war gebucht, Camping auch. Vorher schaute ich mir natürlich noch Genova an, ganz in Ruhe. Ich bin mit dem Zug hingefahren, das waren nur 20 Minuten und dort durch die dunklen Gassen geschlendert. Die Häuser sind so hoch und so eng, dass es teilweise etwas unheimlich ist in den Gassen herumzulaufen. Aber es war sehr interessant. Die verschieden Baustile, das Leben in so einer großen Stadt, die Menschen, die bei aller Geschäftigkeit immer Zeit haben, für einen persönlichen Austausch oder ein nettes Wort. Ich habe keine Fotos von Genua gemacht. Es war so eng, ich bekam kein Foto hin wo mal alles drauf war.
Am nächsten Tag ging es also mit der Fähre nach Barcelona. Die Fähre legte mit 3 Stunden Verspätung ab, holte diese aber auf der Überfahrt wieder auf, sodass wir um 12.15 Uhr in Barcelona anlegten. SO.. und nun bin ich also hier in Spanien und gespannt was mich hier erwartet. Ich werde die Küste entlang fahren und vielleicht wieder eine Gastgeberin haben. Aber was ganz sicher ist, ich werde nun wieder etwas zeitiger berichten.
Bis dahin, alles Liebe, fette Umarmung, Sonja
Tschechien
Alles begann mit Regen.
Der Weg durch Tschechien war bislang meine unglücklichste Route. Der Regen der mich durch diese Zeit mal ganz viel, mal weniger begleitete, schlug mir zusätzlich auf´s Gemüt. Mir war klar, dass der Zeitpunkt irgendwann kommen würde, wo ich meine Söhne und meinen Kater, stark vermissen werde und die Frage, was ich hier gerade mache, sich als ein ständiger Gedanke wie ein Ohrwurm durch meinem Kopf gräbt. Dazu noch der Regen als ständiger Begleiter und in der letzten Woche Temperaturen unter 5 Grad. Jeder Outdoor-Fan würde sagen, solche Temperaturen im Zelt sind doch noch ok, aber…ich befand mich ja in Tschechien. Das Land der Quellen und Flüsse. Der Boden, noch aufgewärmt vom Sommer, dampfte durch die Kälte von oben. Also eine gefühlte Luftfeuchtigkeit von 90%. Alles war einfach nur feucht und kalt und feucht..
Nichts desto trotz muss ich sagen, dass Tschechien wahnsinnig viel zu bieten hat, für Naturliebhaber. Menschen mit Shoppingbedürfniss fahren nach Prag. Nur nach Prag. Prag hat eigentlich alles. Entschuldigung wenn ich das so deutlich sage, aber Berlin fühlt sich dagegen fast etwas Kleinstädtisch an. Das wunderbare an Prag ist, dass es immer lebendig ist. Egal wo du bist, wann oder welches Wetter. Die Cafés und Bierstuben sind immer zu jeder Zeit gut besucht. Alle. Es fühlt sich alles sehr lebendig an und durch die Architektur ist man auch irgendwie immer von Schönheit umgeben trotz Großstadtlärm, Gestank und Dreck. An manchen Orten kann man die Geschichte richtig „fühlen“. Irgendwie faszinierend und mystisch. Solltet ihr also einmal nach Prag reisen, nehmt euch Zeit und sucht euch eine schöne Unterkunft, dann werdet ihr echt unvergessliche Tage haben. Hinter Prag, wenn man der Moldau Richtung Österreich folgt, beginnen schon wieder die kleinen Berge. Man kann sich vorstellen, dass Prag wirklich in einem großen Tal liegt und du mit dem Fahrrad immer über Berge musst um ins nächste Land zu kommen. Ich habe mir zur Angewohnheit gemacht, mein Rad zu schieben. Berg hoch. Dadurch habe ich dann vielleicht auch etwas länger gebraucht, aber ich hatte ja Zeit. Während des Tages war es mit dem Regen kein Problem, ich war immer in Bewegung , mir war warm und mal ganz ehrlich, die Fotos mit dicken, grauen Wolken sehen schon ziemlich toll aus. Aber Abends wurde es dann unangenehm. Die Campingplätze waren alle aufgeweicht und ausgestorben. Ich hatte Schwierigkeiten mit dem Trinkwasser und auch Lebensmittel waren teilweise schwer zu bekommen. Ihr müßt bedenken, die Tschechen fahren mal eben mit dem Auto 30 Minuten in das nächste Dorf, Berg hoch und runter, ich hingegen brauche dafür 3 Stunden und dann liegt dieses Dorf noch nicht einmal auf meinem Weg. Und so richtig viel einkaufen traute ich mich auch nicht, wegen des Gewichts und wie gesagt..Berg hoch…! Naja, dann war da noch der erste Platten, und ich war irgendwie echt froh als ich dann bei Sonnenschein irgendwann Österreich erreichte.
So richtig gut geht es mir immer noch nicht, ich hab einfach Sehnsucht. Aber was ich über Tschechien sagen kann: Die Mentalität ist ähnlich der Westdeutschen. Im Norden Tschechiens an der Grenze zu Polen und Deutschland, wie ich ja auch schon zu Polen und Deutschland geschrieben habe, merkt man die Depression. Die Geschichte die dort den Menschen schon über Generationen in den Knochen sitzt. Ich kenne die Tschechische Politik nicht aber ich behaupte mal, den Leuten gehts gut. Die Tschechen lieben Kajak, Kanufahrten, Fahrrad fahren und Wandern. Sonntags wird Pilze gesammelt. Da kann es schon passieren, dass dir auf einem einsamen Waldweg urplötzlich ein Pilzesammler vor das Fahrrad springt. Die kleinen Dörfer sind alle liebevoll hergerichtet und auch in Tschechien gilt, lieber Altes bewahren, als was Neues bauen. So wie in Ostdeutschland, leider nicht wie im Westen. Diese hässlichen neuen weißen Kastenhäuser halten leider auch Einzug im schönen Österreich, aber das ist nochmal eine andere Geschichte. Ich sag mal dazu in Ostdeutschland reißen sie die alten DDR Plattenbauten ab, und im Westen verkaufen sie einem was ähnlich häßliches als Villa. Aber das ist ja nun mein persönlicher Geschmack.
So damit wäre ich für heute auch erstmal mit Teil 1 fertig und eventuell, wenn ich dann aus meiner kleinen Krise raus bin, gibts dann noch den zweiten Teil zu Tschechien.
Ich grüße Euch alle ganz herzlichst, fühlt euch umarmt und wer mag schreibt mir..ahoj Sonja
Naturschönheit Deutschland/ Polen 24.8.-7.09.2022
Die Ostseeküste,
Kurz hinter Travemünde fängst sie an die schöne Küstenlandschaft von Deutschland.
Ich hatte soviel tolle Momente, dass ich nur ansatzweise versuchen kann, euch etwas vom Charme der Nord-Ost-Deutschen und der Ostseeküste durch Bilder mitzuteilen.
Die Radwege sind wunderbar ausgeschildert und die Preise der Campingplätze wurden für Leute mit Zelt unerschwinglich hoch gemessen daran, dass es kein WLAN gab, Duschen extra kostete, und es nur eine Sanitäranlagen für bis zu 500 Camper gab. Da Lob ich mir die Niederlande…habe ich mich da eigentlich über „zu teuer“ beklagt? Vergesst es.
Nur soviel, je weiter ich Richtung Osten kam, desto interessierter und offener begegneten mir viele Menschen das Preisleistungsverhältnis stimmte und tatsächlich wurde ich hier und da sogar reich beschenkt.
Stettiner Haff / Polen
In Warszow in Polen das Städtchen welches man betritt wenn man von der kostenlose Fähre von Swinemünde steigt, hat mich erstmal überrascht da ich dort auf Droschken traf. Die ander Überraschung war, das die Fahrradrouten in Polen noch viel besser ausgeschildert sind als bei uns in Deutschland. Und dann habe ich eine riesige Rund um den Stettiner Haff gedreht und das war wirklich unglaublich! Ich habe noch nie so eine schöne Flusslandschaft gesehen. Und so viele Tiere! Unglaublich! Ich bin den ganzen Tag gefahren und habe keine Menschenseele getroffen. Dazu gibt es Bilder schaut mal rein.
Oder- Neiße- Radweg
Für Tagesausflüge ist der Oder- Neiße Radweg wahrscheinlich der längste, geradeste, asphaltierteste und landschaftlich idyllischste Radweg auf der ganzen Welt. Fernradfahrer würden sagen, er ist langweilig.
Ich kann dazu sagen, ein Radweg ohne größere Herausforderungen, ab und zu muss man vielleicht einer Eidechse oder Blindschleiche ausweichen die sich auf dem warmen Asphalt sonnt, ein Päuschen auf den dargebotenen Bänken, ein Café im kleinen Ort nahe des Weges und eine wundervolle mit Tieren und Pflanzen gefüllte Flusslandschaft die dazu einlädt den Blick weit schweifen zu lassen und sich mit sich selbst zu beschäftigen. Dieser Radweg ist ein Meditationsradweg durch seine unglaubliche Länge und durch die relativ gleichbleibende Landschaft. Der Radweg ist 630km lang und wer schlau ist beginnt an der Quelle, hat Rückenwind und es geht bergab…oder ihr macht es so wie ich. Kleiner Tip: Sollte euch der Radweg zu langweilig werden, dann nehmt den auf der polnischen Seite, er ist sehr gut ausgeschildert und die Wege sorgen für Abwechslung.
Die Niederländische Küste entlang und querfeldein bis Lübeck
Campingplätze und Begegnungen
13.-24.08.2022
Meine erster Halt nach Brouwershaven führte mich kurz hinter Den Haag auf einen Familiencamping. Dieser ist nicht erwähnenswert. In der Nacht wurde ich von lauter Musik gegen drei Uhr geweckt und es dauerte bis ich wieder einschlief. Der nächste Stop war ein kleiner Naturcampingplatz in der Nähe von Amsterdam, der wiederum sehr schön war, da ich mir dort selber eine kleine gemütliche Ecke unter Bäumen aussuchen konnte. Dort hatte ich meine erste wirklich nette Begegnung mit zwei Musikerinnen aus Kiel. Die ich an dieser Stelle ganz herzlich grüßen möchte. Die Sonne glitzerte durch die Bäume und ein kleines, zutrauliches Rotkelchen besuchte uns, während wir gemütlich da saßen, uns unterhielten und Kaffee tranken. Es war eine wirklich schöne Atmosphäre.Dabei fiel mir dann nebenbei auf, dass es auch mal ganz schön ist sich nett zu unterhalten. Am Abend wieder Musik…das Lovelandfestival. Das hatte ich in der Nacht zuvor wohl auch bis Den Haag gehört. Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Ijsselmeer.
Die Straße übers Ijsselmeer ist für Fahrräder gesperrt, aber es steht ein Shuttlebus zur Verfügung. Auch mal interessant. Ich überlegte, ob ich es von der Zeit her noch auf die andere Seite schaffte ,entschied mich aber spontan einen Campingplatz zu suchen und das war eine gute Entscheidung. Mich erwartete der schönste Naturcampingplatz in Holland.
The Forest is calling! Camping Niederlande/ Den Oevre. Wunderschön und mit viel Liebe gemacht. Eine unglaubliche entspannte Atmosphäre hat diese Insel. Insel, da es fast umschlossen ist von fließenden Gewässer. Ein kleiner Fluss der an manchen Stellen mit Steinen zum rüberlaufe ausgelegt wurde. Auf der anderen Seite waren auch noch Stellplätze und Tinyhäuser. Alles ökologisch und nachhaltig. Eingebettet wurde diese ganze Komposition von Schilf, großen wilden Pflanzen und Bäumen. Ich hatte das Gefühl von viel Platz für Jeden. In der Mitte des Campimgplatzes befindet sich der Spielplatz mit einzelnen Sträuchern die verraten das sich schon manches Kind dort versteckt hat. Außerdem haben sie ein riesiges Glashaus-Gewächshaus als Küche, Essbereich oder Wohnzimmer mit Klavier, wo man sich gemeinschaftlich oder alleine sein Essen zubereiten kann. Und du wirst dort empfangen mit den Worten“ Feel Free“. Am nächsten Tag voller guter Energie ging es über das Ijsselmeer durch Haarlingen.
Haarlingen ist auch eine Reise wert, sehr schöne Stadt und natürlich gut besucht aber ohne das es einem durch die Menschenmassen zu anstrengend wird.
Hinter Harlingen, im Örtchen Zwarte Haan habe ich dann für zwei Tage mein Zelt aufgestellt, da es am folgenden Tag in Strömen regnete. Die Natur hat es wirklich gebraucht und mir tat die Pause auch gut. Der Minicampingplatz war klein und fein. Sehr nett gemacht und immer sauber. Der Gastgeber war Citrön, speziell Ente- Sammler und erinnerte mich an die Zeiten als ich unsere Ente damals, mit dem Imbusschlüssel gestartet habe weil das Schloß defekt war. Aber das ist eine andere Geschichte. Es gab eine offene Küchenzeile und einen Tisch mit einer Bank auf der Lukas ein arbeitender Student aus Kiel und ich, uns ausbreiteten. Er arbeitete ganz konsequent (an dieser Stelle liebe Grüße an Lukas und Hut ab vor soviel Disziplin) und ich las und lenkte ihn hin und wieder ab.
Am nächsten Tag ging es weiter und ich campierte an einem Mini Yachthafen. Dort wie auch an anderen Orten in Holland konnte man sich selbst Bedienen am Kiosk oder Kaffeeautomaten und es gab eine Kasse in der die entsprechende Summe hinterlegt wurde. Ich muss sagen, das hat mich schon sehr beeindruckt, dass das Vertrauen einfach so da war.
Es steckt eine Selbstverständlichkeit dahinter das der Mensch ehrlich ist.
In Deutschland angekommen, bin ich direkt beim ersten Campingplatz ernüchtert worden. Im Nachhinein kommt es mir so vor, als ob ich in Holland in einer gut beschützten Blase gesteckt hätte die dann einfach mal, kurz hinter der Grenze, geplatzt ist. Ich möchte mich jetzt nicht über das Misstrauen, den Geiz und die Nicht-Bereitschaft auslassen denn es war wohl einfach nur ein Zufall(?). Ich habe in der Nähe von Leer, Camping- Yachthafen-Marina ausgesucht weil ich dachte das Marina mir bestimmt Glück bringt. Diesen Campingplatz gilt es auf jeden Fall nicht zu fördern. Kaum Leistung, kein Entgegenkommen aber Kohle haben wollen. Dort kam ich mit Govid, (ich hoffe ich habe es richtig geschrieben) einem Niederländer auf seiner 4 tägigen Tour, ins Gespräch. Wir sind zusammen etwas essen gegangen und haben am Imbiss noch einen anderen Zeltnachbarn, einen Dänen auf Wattenmeer Erkundung, getroffen. Die Beiden haben sich gut auf Englisch unterhalten, und ich habe auch, oh Fortschritt, ein wenig mehr verstanden. Es war ein netter Abend mit sehr leckerer Pizza vom Imbiss um die Ecke.
Am nächsten Tag landete ich auf einem Campingplatz der besonderen Art. Nicht besonders schön mit Zelt aber für Wohnmobile und Hundfreunde sicher ein Paradies. Ich musste erstmal sehr lange nach einem Fleckchen Wiese suchen was einigermaßen eben war. Mitten in der Nacht merkte ich, wie meine Nase von meiner Isomatte hochgeschoben wird! Da versuchte sich doch tatsächlich um 5 Uhr Morgens ein Maulwurf durch mein Zelt zu graben. Das ist vielleicht ein komisches Gefühl wenn man mit seinem Ohr fast auf dem Boden liegt und so ein Tier graben hört. Die Luftmatratze verstärkt das Geräusch auch noch enorm.Ich habe eine Stunde lang mit klopfen an verschieden Stellen versucht dem Maulwurf zu erklären, dass dort kein Ausgang ist und irgendwann hat er aufgegeben. Da war ich dann aber auch richtig wach. Also habe ich mich auf dem Weg gemacht. Meine nächste Station sollte eine Übernachtung bei Sandra sein. Sie gehört zu den tollen Menschen die ihr eigenes Fleckchen Erde zum Übernachten für umsonst anbieten. Es ist privat und schön. Es kann eine Wiese oder ein Garten sein und Jeder der etwas eigenes hat kann mitmachen. Die Seite nennt sich 1NiteTent.
Sandra war eine sehr nette Gastgeberin mit einem wunderschönen Garten. Ich wurde verwöhnt. Am Morgen haben wir noch zusammen einen Kaffee auf der Terrasse getrunken, was wirklich die Krönung war. An dieser Stelle, liebe Grüße an Sandra und nochmals Danke.
Von Sandra ging es dann querfeldein, Ziel Lübeck. Der Weg bis Lübeck war nicht besonders schön oder ereignungsreich. Es war eine so monotone Strecke das ich mir auch zum erstenMal Musik ins Ohr gesteckt habe. Natürlich die von meinem Sohn. Achtung hier Werbung von einer ziemlich stolzen Mudda:
COLOREDGREY zu finden auf YouTube und Spotify.
Das hat mich dann ein wenig in nostalgische Stimmung gebracht auch im Hinblick darauf, dass ich in Lübeck den Bruder meiner innigsten Freundin treffen wollte. Lübeck ist eine Stadt die mich immer wieder anzieht. Es fehlen zwar die Berge aber ansonsten hat sie alles sogar einen Badesee in der Stadt. Trotz der Tourimassen hat sie ihren eigenen Flair erhalten und strahlt eine gute Atmosphäre aus. Das Geschäft von Morris befindet sich in der Altstadt und er verkauft dort Frozenyoghurt mit Schnikschnak Toppings und im Winter Waffeln und anderlei Selbstgemachtes. Natürlich auch mit Marzipan wie es sich für Lübeck gehört. Er hat mit mir eine Mini Sightseeingtour durchgeführt und ich kenne mich jetzt so richtig dort aus. Lübeck hat Stadträume so will ich es mal nennen. Es gibt für jede Sorte Mensch einen Platz an dem er sich wohl fühlen kann. Das Wasser und der Wind tragen natürlich auch einiges dazu bei. Wer mehr über Lübeck als damalige größte Hansestadt in Deutschland erfahren möchte, Geschichte etc. der darf Wikipedia benutzen. Nachdem ich nun einen Zusatztag in Lübeck eingelegt habe, und mich morgens noch verabschieden konnte, bin ich nun an Travemünde vorbei Richtung Kühlungsborn unterwegs. Die Preise steigen stetig aber wie schön ist es, dass die Ost-Ostseeküste soviel herrliche Plätze zum übernachten bietet. Zu Travemünde muss ich sagen, es ist sehr schade, dass der Primvall so mit neuen Eigentums-und Mehrfamilien Villen zu gepflastert wird. Direkt dahinter, am Nordseeküstenradweg, beginnt nämlich das eigentliche schöne… kleine Strände für alle zugänglich und unberührte Natur. Kleine Buden wunderschöne Radwege und ab und zu Toilletten, was will man mehr!!
So das wars nun erstmal für Heute, genug zu Lesen für euch und bei Zeiten gibt es noch einen Eintrag zum eigentlichen Küstenradweg in Holland, über meine Eindrücke und die kurzen netten Kontakte die ich hatte.
Bis dahin, alles Gute für Euch, Sonja
Holland das Land der Weite und Ruhe
13.-23.08.2022
Ich möchte euch gerne meine ganz eigenen Eindrücke mitteilen. Auf meiner Reise durch Holland, durch Dörfer, Kleinstädte und Vorstädte, beeindruckte mich besonders wie nett alles aussah. Die Häuser oder Wohnungen mit ihren großen Fenstern hatten wunderschöne bepflanzte Balkone oder Gärten. Alles war ordentlich, gepflegt und nie überladen. Die Gärten geschmackvoll angelegt, boten auch den Kindern viel Platz und wunderschöne Spielbereiche. Nie, selbst in den Vorstädten, dort wo mal ein Hochhaus stand, habe ich einen einfach dahingestellten Sandkasten gesehen oder ein paar Gartenstühle mitten auf der Wiese. Nein, alles war irgendwie immer in einem Arrangement mit anderen Dingen. Eine Sitzecke umrandet von schönen Blumen, ein Sandkasten mit kleinen Sitzgelegenheiten und Büschen drumherum.
Wenn ich durch die Straßen fuhr, während der Woche, sah ich kaum einen Menschen. Alles wirkte zwar nicht verlassen, aber wartend. Wartend darauf, dass glückliche Kinder mit glücklichen Eltern die Häuser, Wohnungen, Gärten und Straßen beleben. Stattdessen habe ich viele Senioren gesehen, auch schlank, alle vital aussehend, die sich trafen und auf ihren Rädern, schwatzend oder sportlich, unterwegs waren. In der Nähe zu Den Haag und Amsterdam kamen mir Morgens um 9 Uhr die Schwarmradfahrer entgegen. Dazu muss ich sagen, dass die holländische Küste unglaublich schöne breite Fahrradwege durch die Dünen anbietet. Ich glaube es gehört für viele niederländische Firmen zur Firmenphilosophie gemeinsam Sport zu machen. Natürlich fühlte ich mich dabei wie mitten in der Tour de France. Wie Hornissenschwärme zischten diese überwiegend männlichen Sportler an mir vorbei. Mir kam der Gedanke auf, wie anstrengend es in so einer Firma zugehen muss, wenn man so darauf trainiert alleine zu kämpfen aber trotzdem nicht hervorzustechen…Mir kamen dann auch ein paar Firmenjogger entgegen, die zwar wesentlich angestrengter aussahen, aber sie unterhielten sich und lachten. Auf meiner Tour durch Holland war ich irgendwann gelangweilt von soviel Perfektion. Die Landschaft, diese Weite, die wenigen Bäume, die unglaublich gutausgebauten Fahrradwege, irgendwie verlor das irgendwann seinen Reiz. Mir fehlte die visuelle Abwechslung. Und dann traf ich Manuela und Herbert aus Österreich. Es war nur eine ganz kurze Begegnung aber ich habe dadurch einfach nochmal einen anderen Blick auf die Niederlande bekommen. Der bedeutende Satz dabei kam von Manuel „Für mich ist das einfach chillen.“ Und Recht hat sie. Gerade die Weite, die unglaubliche hübschen Dörfer, die schönen Menschen, die Luft am Meer, die wunderbaren Radwege und vor Allem die Mentalität der Holländer, machen es einem wirklich leicht einfach nur zu Entspannen. Es hat etwas Meditatives eine Weile durch Holland zu Reisen. Die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und die Freiwilligkeit die mir dort begegnet sind, waren schon sehr beeindruckend. Ich musste einmal mein Rad 300 Meter durch eine Düne schieben und wurde dabei von einem deutschen Urlaubspärchen sehr unterstützt und später kam dann noch eine junger, starker Holländer der mich gleich mit durch die Düne schob. Ich wurde unterwegs öfter mal angesprochen, bekam Bonbons geschenkt und wenn ich nach dem Weg gefragt habe, kam es auch schonmal vor, dass Derjenige einfach mitgefahren ist, wenn er er merkte, dass ich kein Wort verstand.
Also mein Fazit:
Wer keine Berge braucht, Ruhe und Weite genießen möchte, einfach gerne alles mit dem Rad machen möchte, immer etwas Schönes fürs Auge braucht und gerne die Freundlichkeit die ihm Zuteil wird zurück geben möchte, der sollte in Holland Urlaub machen. I love Holland
Endlose Dünenlandschaften mit wunderschönen gutausgebauten Fahrradwegen
Nette, kleine Dörfer an Flüssen gelegen. Mit einem kleinen Motorschiff oder mit dem Rad gut zu erreichen. Motorboote können gemietet werden.
Urlaub in Brouwershaven
Oder
Das Ding mit der Zeit
Brouwershaven,
Ist eine der schönsten Dörfer in Zeeland wie ich finde. Mit besonders viel Glück gesegnet ist der/die Jenige der/die ein Segelboot im Hafen hat. Es ist alles irgendwie klein und nett und es ist alles in der Nähe was man braucht. Ein kleiner Badestrand ist bequem über die Hafeneinfahrtsbrücke zu erreichen. Das Wasser ist dort nicht tief und bietet für die Sonnenanbeter einen wundervollen Panoramablick aufs Grevelinger Meer. Wenn du in Brouwershaven etwas verlierst oder liegen lässt, liegt es noch dort wenn du wiederkommst und wenn es was teures ist, wird es beim Hafenmeister abgegeben. Der Fischhandel ist besonders zu empfehlen nicht nur wegen des wirklich frischen, leckeren Kibbelings sondern wegen der sehr netten Verkäuferin mit strahlend grauen Augen und wuscheligem Haar. Ich habe mich nicht getraut ein Bild von ihr zu machen, aber ihr wisst wen ich meine solltet ihr einmal dort sein. Die Preise sind wie überall in Holland, nicht so günstig aber wer auf Surfwear steht bekommt in Brouwershaven, verglichen mit Renesse und Zierikzee, wirklich coole Klamotten und nicht überteuert.
Eckdaten zu Brouwershaven:
Entstehung im 12. Jahrhundert. Ein Hafen in Norden Schouwen-Duivland direkt an der Nordsee, wurde durch die wachsende Bevölkerung nötig.
Da sich der Adel von Brouwershaven einiges versprach und ein Hafen Macht bedeutete, wurde 1325 die große Kirche gebaut und 1599 das prächtige Stadthaus.
Die erwarteten hohen Einnahmen blieben jedoch in Konkurrenz mit den größeren Häfen aus und so ruhte Brouwershafen bis zu dem Zeitpunkt 1838-1870, als Rotterdam auf dem trockenen lag.
Es entstanden viele neue Gebäude, Cafés und kleine Hotels da die kleine Stadt viele Gäste aus Übersee empfing. Da Brouwershaven mehrmals von einer Sturmflut heimgesucht wurde, zuletzt 1953, deichte man die Stadt ein und errichtete Polder die schützten. Ab 1965 mit Errichtung des Brouwersdamm und dem Grevelingenmeer als Binnengewässer verlor Brouwershafen seine direkte Anbindung an die Nordsee.
Seitdem befindet sich Brouwershaven im Dornröschenschlaf.
6.08.-12.08.2022
Das Ding mit der Zeit ist, dass der Jenige der sie hat, nicht damit umzugehen weiß. Das Gefühl der zeitlichen Begrenzung wird man nur los, wenn man sich dieser Illusion bewusst wird.
In dieser letzten Woche habe ich mich von den vergangen Strapazen gut erholt. Auch mein Herz fühlt sich aufgefüllt an, denn ich hatte die Gelegenheit noch ein paar intensive Tage mit meinen Söhnen zu verleben. Das Wetter ist großartig aber hin und wieder wird mir die Grausamkeit der Sonne bewusst, die der Natur ordentlich zusetzt. Ich habe manches Tier gesehen was, angewiesen und vergessen vom Menschen, schutzlos der Sonne ausgeliefert war bzw.ist.
Ich tue mich schwer, die bekannten Orte zu verlassen und grade fühlt es sich so an, als ob ich ewig hierbleiben möchte. Anfangs dachte ich noch, es wären meine Ängste meine Sicherheiten hinter mir zulassen oder die Sehnsucht meine Söhne zu sehen. Aber wenn ich dann tief in mich hineinfühle, finde ich nur Freude fürs Unbekannte. Und Sicherheit. Ich bin immer gut beschützt. Also was lässt mich hier nicht so richtig starten?
Ich bin ein Mensch der sich schwer tut Entscheidungen zu treffen, wie denn auch, wenn alles schön ist, wenn alles verlockend scheint? Zuerst dachte ich, ich müsste meiner Reise eine Richtung geben, aber das funktioniert nicht wenn man sich nicht entscheiden kann. Und habe ich das Ganze nicht eine Radreise ins Blaue genannt? Heute fahre ich einfach los, ohne Plan, weil ich unruhig werde, und weil ich die Zeit habe auch im Kreis zu fahren.
S
Als ich von Zuhause loszog…
Freitag vor einer Woche ging es los, für mich, meinem Sohn und für alle anderen Menschen die wir liebgewonnen haben. Denn es ist ja nun mal so, dass sich in einer Gemeinschaft alles bewegt wenn sich einer bewegt.
Der Abschied und das Verschenken von den letzten Haushaltsdingen wurde durch großartiges Wetter und wundervollen Menschen besonders unterstrichen. Ich habe diese Atmosphäre sehr genossen..
Fr.29.07.- Fr.5.08.2022
Meine erste Station war meine liebe Tante die mir anbot die erste Nacht bei ihr zu verbringen. Dort sortierte ich meine Sachen aus, versuchte mich zu reduzieren und zu ordnen und zu überlegen wie es nun weitergehen sollte.
Das Problem welches ich hatte war, dass mir der Auszug nicht nur mental, sondern auch körperlich total zugesetzt hatte. Meine Leiste und/oder Hüfte schmerzte total und ich überlegte wo ich nun hinkönne um erstmal meine Wunden zu lecken. Einen Platz an dem ich Ruhe hätte. Ich entschied mich zu John nach Birgellen zu fahren. Ruhiger gehts kaum.
Erst drehte ich noch eine Runde in Krefeld, verabschiedete mich von meinen Eltern und nach fast 4Std. Fahrt, fiel ich, angekommen in Birgellen, buchstäblich in meine Zelt und schlief erstmal aus. Nach drei Tagen in denen ich mich etwas erholt, wieder Ballast abwarf(unter Anderem meine geliebte Leo-Jacke, muss ich mal kurz erwähnen)ging es dann weiter mit dem Ziel Brouwershaven in den Niederlanden. In der Hoffnung dort nochmal auf meine Söhne zu treffen. Außerdem sollte das Wetter ab Freitag regnerisch werden und dann hätte ich einen sicheren Hafen gehabt, so meine Überlegung. Die erste Nacht meiner Tour durch Holland verbrachte ich auf einem Campingplatz. Mir war nicht klar, dass ich Stellplatzgebühren eines Wohnmobiles bezahlen würde. 16 Euro, Duschen extra. Die zweite Nacht schlief ich in der Natur. Das war sehr schön, abgesehen davon, dass es auch sehr aufregend war. Auf der Suche nach einem Schlafplatz bemerkte ich, dass es in den Niederlanden wirklich wenig Bäume gibt hinter denen man sich verstecken kann und auf dem Weg nach Brouwershaven garkeine. Ich habe mir Gedanken gemacht warum Wildcampen verboten ist bzw. das es eigentlich ganz richtig ist mal irgendwo wo es schön ist einfach mal zu schlafen, in einer lauen Sommernacht. Wen stört es? Niemanden…wenn man nicht grad den Kocher anschmeißt und einen Flächenbrand entzündet oder seinen Plastikmüll rumfliegen lässt oder alles niedertrampelt um sein Zelt aufzustellen. Die Wenigen, die noch mit Zelt und Rad oder zu Fuß unterwegs sind, sind ja nun solche Ökos, dass man sie einfach direkt aus der Verbotsklausel ausschließen muss. DIE wissen nämlich Bescheid. DIE nehmen sogar noch Müll mit wenn die welchen finden.
Auf jeden Fall hatte ich ein schöne, ruhige, naturverbundene Nacht in NL und weckte mit Brötchen am nächsten Morgen, Freunde im Hafen von Brouwershaven.
Dann fuhr ich zu einem aus früheren, einfachen Zeiten bekannten Minicamping, zwischen Scharendijk und den Osse , Claes Kinderen, um dort mit meinem Zelt die nächsten Tage zu campieren. Aber auch dort hielt der Preiswahnsinn Einzug, mit 20 Euro ohne Klopapier.
Egal. Hier werde ich versuchen mein Rad zu optimieren denn mir schlafen die Zehen ein und ich bekomme Schmerzen in den Armen. Ich habe schon alle möglichen Positionen ausprobiert aber keine scheint bisher optimal. Und das mit dem Rad MUSS bequem werden! Ich überlege schon mein Superrad gegen ein altes Hollandrad einzutauschen, aber wie komm ich dann die Berge hoch? Zur Zeit liegt meine Durchschnittsgeschwindigkeit bei 14Kmh. Damit bekomme ich kaum meine Powerbank geladen. Es muss sich also noch einiges ändern bevor ich mich auf unbekanntes Terrain begebe.
Das war´s für die erste Woche, nächsten Freitag gibt es mehr.
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Dicker Kuss, Sonja
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